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Ein Reigen in schwarz-weiß.

Die Geschichte der Freisinger Trachtler

Freising - Sie gehören zum Volksfest wie die Mass ins Bierzelt: Die Trachtler aus Freising. Ein Rückblick auf 100 Jahre Geschichte.

Im Jahre 1908 kamen einige Männer und Frauen zu einer ersten Besprechung wegen der Gründung eines Trachtenvereins zusammen. Weiterhin wurde Fühlung genommen mit der Sache gutgesinnten Leuten, und bei der Gründung im Gasthaus „Zum Geflügelhof“ in Lerchenfeld konnte man schon 20 Mitglieder verbuchen.

Der Verein arbeitete fleißig im Platteln und Volkstanz nach der alten Vätersitte, trat bald an die Öffentlichkeit und fand großen Anklang.

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Im Jahre 1911 fand die Fahnenenthüllung statt, wobei der Aktienbrauerei - Garten 20 Vereine aufnehmen musste. Als Fahnenmutter konnte man Frau Maria Schweiberger gewinnen, Pate standen „D’ Neubeurer“ aus München. Im Völkerringen von 1914/18 haben acht brave Mitglieder ihr Leben auf dem Felde der Ehre lassen müssen. In der ersten Generalversammlung im Dezember 1918 schloss sich der „Dramatische Verein Edelweiß“ dem Trachtenverein an. Im Frühjahr 1919 wurde das neue Vereinsheim bei der Familie Hauner im Gasthof „Zur Eisenbahn“ bezogen. Die beiden früheren Vereinslokale hatten sich durch den steten Zuwachs als zu klein erwiesen. Im Jahre 1922 wurden große Gönner des Vereins zu Ehrenmitgliedern ernannt: Josef Hauner sen. Blasius Huber, Michael Kopf und Josef Mühlberger, der Trachtenpionier Schmid wurde Ehrenvorstand. In den nachfolgenden Jahren wurde die Bevölkerung von Stadt und Land mit guten Theaterstücken, Heimatabenden und Humor beglückt und so wuchs der Verein zu einem mächtigen Stamm. Seit der Gründung hatte der Verein viel Leid und Freud erlebt, durch die gute Trachtenkameradschaft der Mitglieder konnte er sich mit seiner schönen und bunten Miesbacher Tracht jederzeit im Isargau und auch außerhalb sehen lassen.

1936 wurden die beiden Trachtenvereine „Almrausch-Edelweiß“ und „Isarlust“ Neustift zusammengeschlossen. Im 2. Weltkrieg 1939-1945 fand das Vereinsleben wiederum ein vorläufiges Ende. Viele Mitglieder büßten an der Front ihre Gesundheit ein, etliche kamen nicht mehr zurück. Der 1. Vorstand Josef Riedl und der 2. Vorstand Albert Neumaier erhielten von der US-Militärregierung die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit. Am 9. März 1946 war es dann endlich soweit. Im „Urbankeller“ in Neustift wurde die erste Versammlung nach dem 2. Weltkrieg einberufen. Nach dem Gedenken an Gefallene und Vermisste wurde die neue Vorstandschaft gewählt.

1946 konnte der Verein auch wieder ins angestammte Vereinslokal im „Deutschen Haus“ einziehen. Von den Nachkriegswirren soll noch erwähnt werden, dass der 2. Vorstand Albert Neumaier, die Vereinsfahne sowie die Ehrenpreise vor dem Zugriff der vielen Andenkenjäger retten konnte. Das 50-jährige Bestehen, also ein halbes Jahrhundert, feierte der Verein unter der Führung von erstem Vorstand Georg Taschner und Ehrenvorstand Josef Riedl im Juli 1958 mit einem großen Heimatabend. Umrahmt wurde das Ganze von tänzerischen, musikalischen und Gesangsdarbietungen unter Mitwirkung vom „Roider Jackl“ im Festzelt in den Luitpold-anlagen. 58 Trachten- und Brauchtumsvereine sowie 10 Musikkapellen beeinhaltete dann der große Festzug durch Freising am Sonntag. Leider hat es der Wettergott auch diesmal, wie schon so oft, nicht gut mit den Trachtlern gemeint und so gehörte der Regenschirm einfach zur Tracht.

Gefeiert wurde immer wieder, so auch das 70. Gründungsfest. Am 1. Juli 1978 konnte der 1. Vorstand August Bauer viele Gäste aus Ober- und Niederbayern, aus Kärnten und sogar aus Amerika in der Freisinger Mehrzweckhalle begrüßen. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Adolf Schäfer und Mithilfe aller Mitglieder wurde dieses Fest wieder ein voller Erfolg.

Mit den Vereinslokalen hatte der Trachtenverein so seine Schwierigkeiten. Probleme gab es immer wieder bei den Terminabsprachen für Versammlungen oder Proben, die Nebenzimmer entsprachen oft nicht dem räumlichen Bedarf zum Tanzen und Platteln. So wurde die Idee für ein eigenes Vereinsheim geboren. Die Vorstandschaft fand nach einiger Suche ein Gebäude, dass dem „Gräflich Moy’schen Hofbrauhaus als Garage und Werkstätte diente. Die Verhandlungen waren erfolgreich, so dass das Haus, welches an das „Gasthaus zum Löwen“ angrenzt, um- und ausgebaut zur Trachtenheimat wurde. Den Mitgliedern ist es gelungen, in 2740 Stunden Eigenleistung, unter Mithilfe und Unterstützung verschiedener Firmen und Gönnern ihr Schmuckstück, um das sie so mancher Trachtenverein beneidet, herzustellen. Gebührend eingeweiht wurde das Vereinsheim dann am 19. November 1979 im Beisein der geistlichen und weltlichen Vertreter sowie Gönnern und Freunden. Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte sollte das 80. Gründungsjubiläum mit Fahnenweihe werden, dass am 1. Juli Wochenende 1988 dreitägig gefeiert wurde. Fahnenmutter wurde Frau Marianne Handgrödinger und Pate waren wieder „D’ Neuberer“ aus München. Mit denen man auch noch nach 80 Jahren regen Kontakt pflegt. Dazu wurde der Trachtenverein auch noch Ausrichter des 69. Isargaufestes. Leider fiel der Festzug, es wäre eine Augenweide für Freising gewesen, mit 68 Vereinen und 21 Musikgruppen dem Regen zum Opfer. Aufmerksamkeit verdienen auch die anderen Aktivitäten des Vereins wie Weihnachtsfeier und Faschingsveranstaltungen, Wiederbelebung der Vereinsausflüge durch Vorstand Erwin Maurer, Teilnahme an den Isargaufesten und Auftritte im In- und Ausland rund ums kirchliche und weltliche Brauchtum.

Einen hohen Stellenwert im Trachtenverein hat seit Jahrzehnten auch die Förderung der Kinder und Jugend fürs Brauchtum. Zahlreiche „Buam“ und „Deandl“ aus Stadt und Landkreis haben in dieser Zeit die Grundlagen im Platteln und Volkstanz erhalten. Die Begeisterung der Jugendleiter ist natürlich groß, wenn wieder neue Kinder und Jugendliche den Weg ins Vereinsheim finden. Sie ernten immer wieder Begeisterungsrufe, wenn die Trachtler mit ihrer Kinder- und Jugendgruppe bei Festzügen oder anderen Feiern mitwirken.

Mehrfach wurde bereits wieder beim sog. Gauwertungsplatteln des Isargaues teilgenommen und beachtliche Erfolge mit nach Hause gefahren, die damit für die Teilnahme in der höchsten Stufe, beim Preisplatteln um den „Bayerischen Löwen“ mit sich brachte. Diese höchste Auszeichnung für Platttler und Deandl gestiftet vom Bayerischen Ministerpräsidenten können auch bereits einige Vereinsmitglieder ihr eigen nennen. Großen Anklang finden bei der Jugend auch der eigene Fasching, Jugendauftritte und div. Zeltlager.

Die Trachtenausstattung der Kinder und Jugend wird vom Verein zur Verfügung gestellt! Auch neue Erwachsene Mitglieder sind herzlich willkommen. Im Jahr 2008 dreht sich das Vereinskarussell in erster Linie für das 100-jährige Gründungs-fest des Trachtenvereins „Almrausch-Edelweiß Stamm Freising“ und „getreu dem alten Brauch“ wird das Brauchtum unter Vorstand Rudi Riedl ins nächste Vereinsjahrhundert weitergeführt. Denn trotz „Highlights“, „Shopping“; “Performance“ und anderer “Events” macht immer noch Kultur und Brauchtum dazu das Leben liebenswert.

Text Trachtenverein Almrausch-Edelweiß

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