Sie sorgen für den bunten Himmel

Das sind die Köpfe hinter dem Feuerwerk am Freisinger Volksfest

Freising - „Irgendetwas war heuer anders“ – „aber es hat super ausgesehen“! Die Rückmeldungen zum Feuerwerk am ersten Volksfesttag waren durchweg positiv. Für Anthony Boronczyk und seine Frau Barbara, die als „Bo Fireworks“ hinter dem Farbspektakel stecken, war es die Premiere – und eine Herzensangelegenheit.

Wo sind jetzt die ganzen Kracher? Wenn man in Sillertshausen vor dem Haus der Boronczyks steht, bekommt man zunächst gar keinen Hinweis, dass die beiden ein explosives Gemüt haben. Eine Scheune auf dem Grundstück – vielleicht da drin? Unwahrscheinlich. Der Grund: Brandschutz! Nein, die Kracher liegen etwas weiter draußen, außerhalb der Ortschaft – und zwar tonnenweise in einem Bunker.

Anthony und Barbarba Boronczyk sind Pyrotechniker. Wenn es scheppert und kracht, am Himmel blitzt und blinkt und ein ganzer Festplatz in bunte Farben getaucht wird, sind sie in ihrem Element. Und das seit 21 Jahren.

Angefangen hat „Tony“ als selbstständiger Maschinenbauer in Österreich. Doch schon da waren die Aufträge mehr als ungewöhnlich. Denn: Tony Boronczyk stellte verschiedenste Maschinerien für Film und Fernsehen her, präparierte Fahrzeuge, damit Film-Unfälle dramatischer aussehen. Oder ganz unspektakulär: ein Radio, das auf Kommando – oder besser auf Knopfdruck – zu rauchen beginnt. „So hat alles angefangen“, sagt er heute. Dann begann aber seine Leidenschaft für Pyrotechnik weiter zu wachsen – bis er sich über die Ausbildung zum Großfeuerwerker zum Sprengstofftechniker hocharbeitete.

Ausschließlich positives Feedback!

„In dieser Zeit hat er mich infiziert“, sagt Barbara Boronczyk. Ihre Leidenschaft für Großfeuerwerk, für Pyrotechnik, hat sich erst nach einer Zeit aufgebaut. Gott sei Dank, muss man fast sagen: Denn ohne diese Passion hätte sie den Weg, Seite an Seite mit ihrem Mann, wohl nicht mitgehen können. Der führte in die Schweiz, nach Südtirol – oder sogar nach Brasilien. „Der einzige weiße Fleck auf der Landkarte ist noch Australien“, sagt Tony Boronczyk und lacht. Und überhaupt: „Mittlerweile ist sie ja verrückter als ich.“

Gerade den Moosburgern dürfte das Duo mit seinen Mitarbeitern bestens bekannt sein. Sie sorgten schon für das Feuerwerk an Silvester auf dem Plan oder auch für die Pyrotechnik bei Utopia Island 2015. Die Neujahrsfeier war übrigens eine besondere Herausforderung: Nicht zu groß, nicht zu klein, auffallend – und vor allem ungefährlich für die Kirche musste das Spektakel sein. „Wie kulant da aber alle waren, hat uns sehr beeindruckt“, sagt der Pyrotechniker heute. Sogar der Pfarrer hat damals gemeint: „Solange ihr mir meine Kirche nicht abfackelt, ist alles ok.“

Das Feuerwerk vom Eröffnungstag im Video

Wie plant man nun so ein Feuerwerk? „Im Laufe der Zeit hat man viele Einfälle, die einfach in der Schublade liegen, weil sie gerade nicht passen“, erklärt Tony Boronczyk. Wichtig ist ihm und seiner Frau nur: Es muss etwas sein, das es bisher noch nicht gab. Eine bestimmte Farbkombination, ein ausgefuchstes Arrangement – wie am Volksfest Freising. Dieses Feuerwerk hat zuvor noch niemand gesehen – es war ein Unikat. Das ist eben der Anspruch der Boronczyks: Kein Feuerwerk gleicht einem anderen. Weitere Kriterien sind Größe des Feuerwerks, welche Arten von Krachern braucht man, wie groß ist das Gelände? Als Pyrotechniker kann man fast alle Effekte variieren: Die Geschwindigkeit ist veränderbar, die Farbe, Form und vieles mehr. Die Gestaltungsmöglichkeiten scheinen grenzenlos.

Viele Effekte lassen sich variieren - dafür sind Tests aber unbedingt notwendig

Und klar: So ein Feuerwerk muss im Vorfeld auch getestet werden – alleine schon aus Sicherheitsgründen. Das war vor dem Freisinger Volksfest allerdings ein bisserl kompliziert. Die Boronczyks hatten nur drei Monate Zeit, um die Komposition vorzubereiten. Da muss man die wenigen Tage nutzen, die man für Zusammenstellung und Tests zur Verfügung hat. Am Isarkies-Gelände in Moosburg schauen die Mitarbeiter von Bo Fireworks dann, ob alles passt und woran man noch arbeiten muss.

Förderlich ist es natürlich, wenn man, wie beim Volksfest Freising, „freie Hand bekommt“, wie Tony Boronczyk sagt. „Wir hatten nur die Vorgabe, zwischen sechs und sieben Minuten Show zu liefern.“ Dass es letztlich etwas mehr als siebeneinhalb wurden, störte auch niemanden. Und Feuerwerke im Landkreis seien ohnehin eine Herzensangelegenheit der Boronczyks. Oft sind sie ja außerhalb des heimischen Gäus unterwegs – da ist es schon etwas Besonderes, mal in der Heimat tätig zu werden. Für das Eröffnungsfeuerwerk waren rund 360 bis 400 Rohre am Sportplatz des SC Freising aufgebaut – ungefähr so viele werden es auch am morgigen Sonntag wieder. Um das einzuordnen: Ein richtig großes Feuerwerk benötigt rund 800 Rohre. Freising ist da zwar nicht klein – aber auch kein Spektakel von gigantischen Ausmaßen.

In der Domstadt lief am Eröffnungstag alles perfekt. Es kann aber schon mal vorkommen, dass etwas nicht funktioniert: eine falsche Farbe, etwas brennt nicht ab, ein Effekt fällt nicht wie gewünscht aus. „Dann gehe ich zu den Leuten hin und sage: ’Habt ihr das gesehen?’“, sagt Tony Boronczyk. Meist falle es den Zuschauern gar nicht auf – und sie sagen dann: „Das war doch trotzdem schön.“ Der Pyrotechniker ist da Perfektionist: „Mich ärgert das.“ Barbara Boronczyk: „Ich merke das auch nicht sofort. Aber wenn wir nach Hause fahren und er ganz still ist und eine ’Lätschn’ zieht, weiß ich: Oh, da hat was nicht gepasst.“ Und dann analysiert er so lange, bis er genau weiß, was schief gelaufen ist – „und dann passiert mir das nicht nochmal“, sagt Tony Boronczyk und lacht.

Wenn der Wind zu stark ist, wird ein Feuerwerk schon einmal abgesagt

Ärgerlich ist auch, wenn der Wind zu stark ist. Über acht Meter pro Sekunde ist zu gefährlich. Dann darf man ein Feuerwerk nicht abbrennen. „Höhere Gewalt“, sagt Tony Boronczyk und zuckt mit den Achseln. Dann beginnt aber eine kleine Odyssee für Bo Fireworks: Alles wieder abbauen, auseinanderpfriemeln, zum Bunker fahren, einlagern. Manche Feuerwerke müssen aber dann kontrolliert abgebrannt werden.

Und trotzdem: Die Boronczyks leben ihren Traum. Sie sind mit viel Leidenschaft, Herzblut und Engagement bei der Sache. Ein Leben ohne Kracher, Feuerwerke, Spezialeffekte? Unvorstellbar. Nur eines hat in den vergangenen 21 Jahren gefehlt: eine private Silvesterfeier. Den Jahreswechsel würde Barbara Boronczyk gerne mal am Times Square erleben: „Tja, das wird aber wohl nie passieren“, sagt sie. Wenn andere feiern, arbeiten die beiden eben – mit all ihren Mitarbeitern. Denn auch die sind an Silvester fast immer eingespannt – und das mit einer ebenso brennenden Leidenschaft für Feuerwerke. Bei so vielen engagierten Helfern könnte man an Silvester doch einfach mal freinehmen und die Mitarbeiter übernehmen lassen? „Nein“, sagt Barbara Boronczyk, „das geht vom Herz her einfach nicht."

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